Der Bezirk verfolgt die Neustrukturierung und den Ausbau der forensischen Versorgung in Niederbayern konsequent weiter.
Über die geplanten Projekte berichtete Prof. Joachim Nitschke dem Bezirkstagspräsidenten im Jahresgespräch.
Mainkofen. Das Ende des Jahres war herausfordernd, resümierte Prof. Joachim Nitschke, Ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Straubing, im Gespräch mit Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich. Wie der Bezirkstag von Niederbayern im November 2025 beschlossen hatte, sollen die Maßregelvollzugseinrichtungen in Mainkofen und Straubing organisatorisch zum Zentrum für Forensische Psychiatrie zusammengeführt werden. Damit soll eine starke, einheitliche Struktur in Niederbayern geschaffen werden.
Die Vorplanungen für die erforderliche Neuausrichtung sind im Gange, berichtet Nitschke, der die Leitung übernehmen wird. So können gemeinsame Ressourcen und Synergien genutzt, Schwerpunktstationen gebildet und Therapien etabliert werden, zeigt er die Vorzüge auf. Dafür erforderlich seien viel Organisation und zahlreiche Schulungen. Eine weitere wichtige und große Aufgabe: „Qualifizierte Mitarbeiter finden, die bleiben.“ Trotz Fachkräftemangel zeigt er sich zuversichtlich. Er wolle Beschäftige aus Straubing motivieren, im Zentrum anzufangen. Hilfreich seien auch Kontakte zu Krankenpflegeschulen, sein Lehrauftrag an der Universität Regensburg, Symposien und Forschungsprojekten. Doch, was der künftige Leiter besonders betont: Es werden attraktive Stellen sein. „Die Neugründung bietet den Beschäftigten die Möglichkeit, sich und ihre Ideen einzubringen.“ Er freue sich sehr darauf, wenn es dann endlich losgeht.
Überschattet wurde in den letzten Monaten dagegen die Stimmung der Mitarbeiter in Straubing durch die Berichterstattung zum Geiselnahmeprozess. „Die Beteiligten sind nach wie vor traumatisiert.“ Mittlerweile können sie zwar alle wieder ihrer Arbeit nachgehen. „Manchen hilft es sogar, zu arbeiten“, erklärt er. „Weil sie abgelenkt sind und die Gedanken nicht immer kreisen.“ Doch der Prozess und die Berichterstattung dazu hätten wieder einiges aufgewühlt, die Beteiligten sogar teils retraumatisiert. Mit dem Abschluss des Gerichtsprozesses hoffe Nitschke, dass sie wieder in ein normales Leben zurückfinden werden.
Das Krankenhaus hatte nach dem Vorfall im August 2024 zahlreiche Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit für die Mitarbeiter und die Öffentlichkeit ergriffen – im Bewusstsein der gesellschaftlichen Verantwortung. Neben der internen Prüfung fand eine externe Untersuchung des Vorfalls statt. „Das ist alles abgeschlossen“, so Nitschke im Jahresgespräch. „Wir sind gut aufgestellt.“
Planungen für Resozialisierungshaus weit fortgeschritten
Künftig soll in Straubing ein weiterer Beitrag zur Resozialisierung von hochgelockerten Patienten geleistet werden. In einem „Resozialisierungshaus“, dessen Baumaßnahme der Bezirksausschuss im Oktober 2025 genehmigt hatte, sollen 24 Patienten auf das Leben nach dem Maßregelvollzug vorbereitet werden. Durch die schrittweise zunehmende Selbstständigkeit wird die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls in Substanz- bzw. Alkoholmissbrauch oder Straffälligkeit minimiert. Eine solche Einrichtung, wie sie alle forensischen Kliniken in Deutschland anbieten, gibt es in Straubing bislang nicht. „Da Straubing einen Sonderstatus hatte und hier früher nicht gelockert wurde“, erklärt Prof. Nitschke. Im August 2019 hatte das Bayerische Sozialministerium dann eine Neuordnung des Maßregelvollzugs beschlossen. In der Folge bekam das Bezirkskrankenhaus Straubing nach einer Übergangszeit denselben Versorgungsauftrag wie alle anderen bayerischen Maßregelvollzugseinrichtungen. Nitschke bezeichnet es als ein gutes Signal, dass das Resozialisierungshaus nun erbaut werde. Die Planungen seien bereits weit fortgeschritten, sagte er und dankte dem Bezirk Niederbayern für die Unterstützung.
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich zu den Hintergründen: „Die Resozialisierung im Maßregelvollzug ist in Deutschland gesetzlich verankert. Dessen Neuordnung hat eine umfassende Umstrukturierung der Einrichtungen erfordert. Mit dem Zentrum für Forensische Psychiatrie Niederbayern oder auch dem Resozialisierungshaus wollen wir nicht nur die Anforderungen erfüllen, sondern den Patienten in Niederbayern eine gute und umfassende Betreuung und Begleitung ermöglichen.“ Weiter hob Dr. Heinrich die Bedeutung der Öffentlichkeitsarbeit hervor: „Wir bleiben dran, die Öffentlichkeit umfassend zu informieren, transparent über die Prozesse zu berichten, aber auch zu sensibilisieren und über die Arbeit des Maßregelvollzugs aufzuklären.“
Im Bild:
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich traf sich mit Prof. Dr. Joachim Nitschke (r.) in der Verwaltung des Bezirksklinikums Mainkofen zum Jahresgespräch.
Foto: Bezirk Niederbayern, Verena Roider